Juli 6, 2020

Was macht Bewegungsmangel mit unseren Pferden? Und ab wann liegt ein Bewegungsmangel eingentlich vor?

Links zu Dingen, über die ich spreche:

  • -

Folge mir auf Facebook:

Transcript:

[0:04] Hallo, herzlich willkommen beim Podcast Pferdegesundheit. Heute mit den drei fatalsten Folgen von Bewegungsmangel.
In der Tierhaltungsverordnung steht, dass ein Pferd mehrmals wöchentlich eine ausreichende Bewegungsmöglichkeit in Form von freien Auslauf haben muss. Sollte, also das steht in der Tierhaltungsverordnung, ansonsten verstößt man dagegen.
Sportliches Training, wie zum Beispiel Reiten gehört nicht dazu. Das war ganz wichtig zusagen. Und jetzt mal kurz überlegen:
Wenn du morgens aufstehst, ja, also du hast dich quasi die ganze Nacht nicht bewegt und stehst morgens auf und du hast irgendwie gerade das Gefühl, du hast dich verlegen. Super, was machst du dann?

[0:48] In der Regel, versuchst du erstmal
dich so ein bisschen durchzubewegen, ne? Du guckst erstmal okay, wo tut's weh, wenn ich mich ein bisschen mehr bewege, wird es besser, wird's schlimmer, aber du reckst und streckst dich eigentlich erstmal, machst vielleicht erstmal so ein paar Bewegungen, die du sonst an einem normalen Morgen vielleicht nicht unbedingt tust.


Seitenwechsel.


Du bist ein Pferd, du stehst den ganzen Tag im Stall, also vielleicht sogar schon irgendwie vierundzwanzig Stunden, weil die letzte Reitstunde einfach halt irgendwie gestern war, irgendwann.
Ja, du kannst jetzt aus der Box und du stehst auf, beziehungsweise wirst von deinem Reiter aus der Box rausgeholt, bis zur Stallgasse oder bis zum Anbindeplatz, der vielleicht nur drei Meter weg ist, weil er ist gleich vor der Box.
Und das heißt, du hast dich nicht wirklich bewegt. So, okay, dann wirst du da ein bisschen geputzt, wenn du Glück hast, ein bisschen massiert, ja, das klar, dass fördert schon mal so ein bisschen die Durchblutung, das tut schon mal ganz gut.
Dann kommt auch schon der Sattel drauf, Trense dran, dann wirst du vielleicht grad noch bis vorm Stall geführt oder bis in die Reithalle
kannst auch noch ein paar Meter laufen und zack sitzt dann Reiter schon drauf, bums. Und dann ist sowieso nicht mehr viel mit freier Bewegung, weil das findet der dann eventuell nicht so lustig.
Wie würdest du dich fühlen? Das wahrscheinlich nicht so super, dann tun dir einem schon mal einfach die Knochen weh.

[2:13] Deswegen hier meine drei fatalsten folgen von Bewegungsmangel: Und zwar das erste sind: die Gelenke.
Die tun weh, die gehen kaputt auf Dauer. Gerade Pferdegelenke sind nicht dafür gemacht, dass die Pferde die ganze Zeit nur drauf rumstehen. Pferdegelenke sind für Bewegung gemacht. Warum? Und zwar musst du dir vorstellen, wir haben ja auch Gelenke.
Das sind im Prinzip zwei Knochen, die aufeinander liegen. Weil das nicht gut gehen kann und weil man ja da auch irgendwie Bewegung reinbringen muss und möchte sind diese Knochen an den
Abschlussstellen, jeweils etwas vergrößert. Diese Vergrößerung bildet die Gelenkfläche. Ich spreche jetzt von den Gelenken an den Gliedmaßen. Das heißt, die Auflagefläche ist ein bisschen größer und damit Knochen und Knochen, also es geht nicht gut, es reibt und damit das schön gleitet, ist da ein Knorpel sagt er auch was und darum ist quasi eine Hülle, die Gelenkkapsel und da befindet sich dann auch noch Flüssigkeit drin.
Eine feine Flüssigkeit, damit keine Reibungen entstehen.
So wunderbar, sodass es eigentlich schon mal eine ziemlich schwierige und äh glitschige Angelegenheit in so einem Gelenk drin.

[3:32] Gelenksnnorpel muss richtig genährt werden, damit der immer schön weich und elastisch auch bleibt. Und dieser Gelenksknorpel funktioniert im Prinzip wie ein Schwamm. Das heißt, drückst du auf den Schwamm drauf, geht die Flüssigkeit raus, lässt du den Schwamm wieder los, zieht er die Flüssigkeit wieder ein.
Ist eigentlich total logisch und das funktioniert bei einem Knochen, beziehungsweise bei
Gelenksknorpel, im Prinzip ganz genauso. Die Gelenksflüssigkeit wird quasi aus dem Knorpel raus und in den Knorpel wieder rein, aus dem Knorpel raus, in den knorpel rein. Das heißt, jedes Mal, wenn da Flüssigkeit rein und rauskommt, gehen auch Nährstoffe rein und raus und somit voll
sorgt sich der Knorpel quasi selber mit allem, was er so braucht, hat die Natur ja ziemlich schlau eingerichtet. Es braucht nicht viel. Das Ding ist aber, wenn das Pferd immer nur steh und quasi immer nur Druck auf dem Schwamm ist. Und eigentlich viel zu wenig Flüssigkeit wieder zurückgesogen wird. Nährstoffe wieder zurückgezogen werden. Dann entstehen auf Dauer einfach Bruchstellen.

[4:34] Wir nennen das jetzt einfach mal ganz vereinfacht so.
Diese Bruchstellen können verschiedenste Krankheiten mit sich bringen: das können Gelenkskörper werden, das kann Arthrose werden, das können auch arthrotische Veränderungen, also wirklich Entzündungen werden. Da gibt es ganz viele Möglichkeiten. Fakt ist, Bewegungsmangel
für Gelenke ist scheiße. Bei Pferden sowieso, weil Pferde einfach sehr schwer sind und da sehr viel Last auf so einem Gelenk lastet.
Ne, also ganz schlechte Idee, sein Pferd ständig in der Box zu parken. Nachts ja, gut, ne, wenn's irgendwie sein muss, wenn's gar nicht anders geht, ist das so. Aber tatsächlich wäre eine vierundzwanzig Stunden Bewegungsmöglichkeit für Pferde immer noch am besten ist.

Und der zweite Punkt, der echt fatale Folgen hat durch Bewegungsmangel hat, sind die Atemwege
ja, kann man sich auch ganz gar nicht so vorstellen, man hat jetzt die Atmung damit zu tun. Es ist aber tatsächlich so, dass die Lunge eines Pferdes, also nicht nur eines Pferdes, sondern von uns Menschen natürlich auch einen sogenannten Selbstreinigungsmechanismus hat.

[5:42] Das ist eigentlich auch eigentlich völlig logisch, ja? Sobald du irgendwas in in der Lunge hast oder in den Bronchien, also irgendwo in deinem Atmungsapparat, sagt man dazu, was da nicht hingehört, wie zum Beispiel Schleim, bei Husten, was muss man dann machen?
Richtig husten. Also, rauswerfen, ausatmen, damit auswerfen.
Bei Pferden ist auch so, klar Schleim und irgendwie sowas das bildet sich auch schon mal.

[6:11] Was aber viel, viel dramatischer ist, wenn ein Pferd Bewegungsmangel hat und in der Box steht, dann ist es in der Regel so, dass es drinnen ist.
Drinnen ist es immer von der Luft nicht so ganz optimal, wie zum Beispiel draußen auf der Wiese. Es ist Staub in der Luft oder vielleicht noch irgendwas anderes, manchmal sogar Schimmelpilze, das weiß man manchmal auch gar nicht so genau
Und das sind alles so Dinge, die sich dann irgendwie in den Atemwegen dann wiederfinden und wenn man Pech hat sogar auch festsetzen, das kann auch wiederum zu Krankheiten führen, wenn dieser Selbstreinigungsmechanismus nicht funktioniert. Dadurch, dass ein Pferd
eine extrem große Lunge hat, also deutlich größer als wir Menschen zum Beispiel. Ist  eseinfach so, dass ein Pferd, das ist ja auch ein Lauftier, dadurch auch sehr viel laufen kann, sehr viel schneller laufen kann und sehr viel ausdauern da auch laufen kann, als wir Menschen ähm.

[7:12] Aber dadurch wird halt auch viel Luft hin und her bewegt. Es steckt eine enorme Kraft. Ich weiß nicht, ob du mal so eine Lunge gesehen hast. Also, als ich das erste Mal eine Lunge gesehen habe, da war ich noch relativ
jung? Da war ich damals auf der Equitana und da war eine Ausstellung, ich weiß nicht, ob das damals Körperwelten war, so genau kann ich das nicht mehr sagen, aber da war eine Lunge eine richtige Pferdelunge, also da war zwar eine Plastikfolie drüber, aber es lief tatsächlich unten ein kleines bisschen Blut raus. Ja, also man konnte das schon erkennen, dass es tatsächlich eine richtige, echte Lunge war.
Und die war schon sehr, sehr groß.
Also ich war damals, wie gesagt, ich war vielleicht ein etwas größeres Kind, sagen wir vielleicht mal irgendwie so zwischen acht und zwölf, vielleicht so um den Dreh und ich weiß, dass ich diese Lunge nicht mit meinen Armen hätte, umgreifen können.
Und das fand ich schon echt, also da war ich schon erstaunt. Und wenn du dir das jetzt mal vorstellst, wenn dieses, dieses riesen Organ richtig übelst,
feste ein und ausatmend oder vielleicht sogar hustet, was da für eine Kraft, für eine Muskelkraft letztendlich dann auch dahinter hängt. Dann kannst du dir auch vorstellen, dass kleinste Staub oder auch Schimmelpartikelchen
aus der Lunge aus den Atemwegen wieder rauskatapultiert werden.

[8:25] Also eigentlich ziemlich sinnvoll und ziemlich intelligent gelöst von der Natur, setzt aber voraus, dass das Pferd sich wirklich auch frei bewegen kann.

[8:34] Und dann auch mal in einem vollen Galopp, über die Wiese, die halt zum Beispiel gerade nicht staubig ist, ja, drüberbrettern kann.

Und der dritte Punkt, für den Bewegungsmangel fatale Folgen mit sich bring: Magen-Darm-Probleme, beziehungsweise bein Pferde sind es tatsächlich meistens Darmprobleme. Äh klar, zu lange gestanden:

[8:55] Kolik. Ne, also das ist ja echt immer so das klassische, ich glaube, so ziemlich jeder Pferdebesitzer ist davon auch irgendwann mal betroffen,
dass das Pferd eine Kolik hat oder zumindest auch Bauschmerzen bekommt, das muss jetzt nicht immer nur Obstipation sein, also
eine Verstopfung sein. Und das kann natürlich auch andere Probleme haben, aber tatsächlich sind Verstopfungen die häufigste Form von Koliken .
Es ist aber eigentlich auch wiederum total logisch, das
Bewegung, eine Kolik bessert, beziehungsweise halt Bewegung auch eine Kolik verhindern kann. Ähm nämlich dadurch, dass die Muskeln und die Beine, die bewegen sich ja. Also, wenn das Pferd läuft, jetzt mal egal, ob im Schritt im Trab oder auch im Galopp, ein Galopp ist natürlicher als ein Trab, aber es sind ja da arbeiten ganz viele Muskeln, ganz viele Bewegungen, der Bauch bewegt sich, der spannt sich an, der spannt sich ab, der Rücken genauso, der wird aufgehört, der wird runtergedrückt, die Kruppe, die wird eingezogen, die wird ausgefahren, die Beine bewegen sich unters Pferd, die bewegen sich hinters Pferd. Also es ist ja überall im Prinzip an jeder Ecke
viel Bewegung, die dann natürlich auch diese ganzen Organe, diese ganzen Körpersäfte, die im Körper des Pferdes dann drin sind, ja in Bewegung hält.

[10:13] Und der Darm ist eines der größten Organe, was der Pferdekörper so in sich trägt. Also natürlich auch hier Bewegung fördert
auch die Darmbeförderung oder die Nahrungsbeförderung im Darm, also die Darmperistaltik sagt man dazu. Und deswegen ist es auch immer sinnvoll, wenn dein Pferd Bauchschmerzen anzeigt, das es sich natürlich bewegen kann

[10:38] Und dass man für ausreichend Bewegung auch sorgt, sodass man sowas auch entsprechend verhindern kann. Also das sind wirklich die drei fatalsten Folgen:  die Gelenke, die Atmung und letztendlich die Darmprobleme, wobei
die Gelenke und die Atmung, wenn die kaputt sind, das ist schon schwierig, dass wir dahinzukriegen.

Ein Pferd mit COPD mit so einer Lungenkrankheit, das ist natürlich schon echt eine Nummer, da hast du nachher richtig Arbeit, ein Pferd mit Arthrose oder anderen Gelenkserkrankungen, das hat richtig
Schmerzen, also lange Schmerzen, chronische Schmerzen, immer Schmerzen, ja, es ist auch schwierig. Vor allem, wenn die dann auch älter werden, wird das auch eher schlimmer als besser
und Darmprobleme, ja, das sind natürlich immer kurzzeitige Schmerzen, ne? Wahnsinnige Schmerzen, auch eventuell für ein Pferd. Also alles in allen ziemlich Kacke, deswegen guck einfach, dass dein Pferd immer genug Bewegung hat und deswegen jetzt viel Spaß im Stall
Tschüß.

​ Verpasse​ auf keinen Fall diesen einen, vielleicht wichtigsten Tipp ever!

 ​Melde dich hier für den Newsletter an: